Werkstattpfusch beim Check der Klimaanlage

Werkstattpfusch beim Check der Klimaanlage

Werkstattpfusch beim Check der Klimaanlage

WDR - Servicezeit Mobil

Sendung vom WDR, 15. Mai 2007

Werkstattpfusch beim Check der Klimaanlage

Von Oliver Lauter

Autoklimaanlagen benötigen regelmäßigen Service, denn wenn der ausbleibt, streikt die Kühlung. Doch in den Inspektionsheften fast aller Hersteller ist der Klimaanlagen-Check nicht vorgesehen. Kältetechniker Axel Holler aus Köln kennt die Probleme nur zu gut: „Mit den Jahren geschehen Steinschläge an verschiedenen Kondensatoren. Die müssen auf Dichtigkeit geprüft werden, und man muss sehen, dass sie auch mit Druckluft gereinigt werden. Es gibt auch ganz große Probleme bei Mercedes, in der E-Klasse, wo sich der Kondensator mit der Zeit langsam auflöst. Durch Salze, Winterdienste, etc.“

Durch Metallabrieb wird der bis zu 2.000 Euro teure Klimakompressor allmählich zerstört. Deshalb ist es wichtig, das Klimamittel alle zwei Jahre von Metallspänen zu reinigen. Zudem verliert jede Klimaanlage pro Jahr 8 bis 10 Prozent Kältemittel. Wird nicht regelmäßig aufgefüllt, blockiert der Kompressor. Im Pollenfilter sammeln sich Feinstaub, Dreck und Fliegen. Muffige Gerüche, Pilze und Sporen können in den Innenraum gelangen. So ein Filter macht krank.

Autoklimaanlagen sind für viele Werkstätten offensichtlich ein Buch mit sieben Siegeln, wie auch Martin S., Dachdecker aus Hürth, erfahren musste: „Auf der Autobahn habe ich gesehen, dass die Klimaanlage nicht richtig funktioniert. In Köln habe ich dann Auto-Teile Unger aufgesucht. Die haben das Auto untersucht. Dann wurden zwei Schläuche gewechselt, es wurde neu befüllt. Letztendlich habe ich 350 Euro bezahlt. Jetzt funktioniert die Klimaanlage wieder nicht.“

Kann es wirklich sein, dass sich kaum jemand mit Klimaanlagen auskennt? Wir machen den Test: Unser Klimaexperte präpariert einen 5er-BMW. Kühlmittel fehlt, der Pollenfilter ist verdreckt, außerdem löst er einen Stecker am Klimakompressor – eine verbreitete Fehlerursache.

Vergölst in Düsseldorf bietet den Klimacheck für 75 Euro an. Nach acht Stunden ist unser 5er fertig. Der Fehler wurde gefunden, die Klimaanlage läuft wieder. Nur der Pollenfilter wurde übersehen, dabei ist er im BMW sehr leicht auszutauschen.

Karl-Heinz Stein von Vergölst dazu: „Das hat der Kollege, da bin ich ganz ehrlich, im Stress vergessen. Normal gehört es dazu, wir gucken es nach.“

Test zwei: Bei einem Opel Corsa legen wir die Klimaanlage mit einer defekten Sicherung lahm. Pit-Stop in Köln will für den Klimacheck 69 Euro. Das Kühlmittel wird nachgefüllt. Nachdem die Anlage trotzdem nicht funktioniert, passt Pit-Stop. Auf weitere Fehlersuche begibt man sich erst gar nicht. Stattdessen bietet man uns einen neuen Termin an, da die weitere Fehlersuche durchaus einen Tag dauern könne. Und im Übrigen gelte das Klimacheck-Angebot nur für intakte Anlagen. Immerhin zeigt Pit-Stop Kulanz – wir müssen nichts bezahlen.

Der nächste Check bei Auto-Teile Unger in Düsseldorf: Für 115 Euro wird die Klimaanlage unseres Smarts nur halb befüllt, der Pollenfilter ignoriert. Wir reklamieren. Ein Mechaniker versucht, den Pollenfilter zu tauschen, doch vergeblich. Seine Finger sind zu groß. Kein Wunder, denn um heranzukommen, muss die gesamte Front abgebaut werden.

Die Autowäsche gehört beim Smart-Center in Düsseldorf, unserem letzten Kandidaten, dazu. Der Klimacheck kostet 79,90 Euro. Das Klimamittel wird gereinigt und nachgefüllt. Aber auch hier übersieht man den Pollenfilter.

Holger Miecznik, Smart Düsseldorf, meint dazu: „Sehen Sie uns das nach. Wir haben jetzt ein Bündel. Wir versuchen natürlich, auch die Kosten für unsere Kunden zu minimieren. Das heißt: die geringst möglichen Kosten. So ein Aktivkohlefilter, sprich Pollenfilter, ist dementsprechend teuer.“

Ohne Pollenfilterwechsel ist der Klimacheck nur eine halbe Sache. Was Klimaanlagen wirklich brauchen, ist regelmäßige Wartung. Höchste Zeit also, dass Autohersteller nicht mehr von wartungsfreien Klimaanlagen sprechen und den Klimaservice endlich ins Inspektionsheft aufnehmen – und ihr Personal entsprechend schulen.

Quelle: www.wdr.de